Was Görler-Tuner sind
Görler, der Mannheimer Spezialist für HF-Technik, stellte in den 1970er Jahren UKW-Tuner und Bandfilter her. Die HF-Tuner und Bandfilter waren Standardbausteine des Unternehmens. Sie fanden nicht nur in eigenen Geräten Verwendung: Auch Thorens und Sennheiser griffen für ihre FM-Stereo-Tuner auf vorgefertigte Görler-Bausteine zurück. Der Thorens FM4 aus den 1960er Jahren ist ein bekanntes Beispiel für einen Tuner mit Görler-Technik.
Die Marke trat als JKG electronic (Julius Karl Görler) auf. Einem Forumsbericht zufolge sollen einige dieser Tuner in Gröding bei Salzburg gefertigt worden sein; bestätigt ist das aber nicht.
Die Technik im Überblick
Der in den 1970er Jahren gebaute UKW-Tuner nutzt eine FET-Mischsektion mit Vierfach-Dreh-Co-Tuning. Die Mischstrecke arbeitet mit der üblichen Zwischenfrequenz von 10,7 MHz, dem Standardwert für UKW-Tuner.
Der Tuner hat zwei Magnetspulen. Der ZF-Spulenkern des Mischteils hat einen Innensechskant von 2 Millimetern, was beim Abgleich zu beachten ist.
Frequenzmessung mit Vorteiler
Für die Frequenzmessung am Tuner kommt ein Vorteiler zum Einsatz, also eine Frequenzteilerstufe, die das Signal vor dem Zähler herunterteilt. Ein Beispiel ist der ECL-Vorteiler U813BS (ECL steht für Emitter-gekoppelte Logik). Er kann Teilungsverhältnisse von 64/1, 128/1 und 256/1 einstellen. Das Teilungsverhältnis wird mit einer Steckbrücke am Skalenausgang festgelegt. Bei einem Teilungsverhältnis von 64 ergeben sich 1,5 bis 2,5 MHz, was der angeschlossene Frequenzzähler gut verarbeiten kann.
Der Oszillator des FM-Tuners wird angezapft, und die mit dem Vorteiler geteilte Oszillatorfrequenz gelangt zum Frequenzzähler. Die gemessene Frequenz wird extrapoliert; abschließend wird die Zwischenfrequenz, in der Regel 10,7 MHz, verrechnet. Pendelt der Oszillator über der Eingangsfrequenz, wird die Zwischenfrequenz subtrahiert, andernfalls addiert.
Zur Kopplung empfiehlt sich eine Induktivkopplung mit einer Umdrehung an die Schwingspule. So lassen sich größere Eingriffe vermeiden, die die Abstimmbarkeit des Tuners beeinträchtigen könnten.
Der Vorteiler hat eine hohe Empfindlichkeit von etwa 10 Millivolt. Damit die Kopplung den Oszillator möglichst wenig verstimmt, bekommt der Vorteiler einen vorgeschalteten Verstärker, etwa eine BFR93 oder eine pin-kompatible TFS17.
Zwischenfrequenz einstellen und speichern
Die Zwischenfrequenz kann über den Tastenanschluss vorgegeben werden. Weicht sie vom Standardwert 10,7 MHz ab, lässt sie sich mit drei Tasten setzen. Hält man nach der Eingabe die rechte Taste etwa eine Sekunde lang gedrückt, werden die Daten im EPROM gespeichert. Danach wird der Tastenanschluss wieder freigegeben und der Frequenzzähler aus- und wieder zugeschaltet.
Frequenzauflösung und Anzeigeabgleich
Bei UKW-Empfängern reicht die Frequenzauflösung von 10 kHz in der Grundeinstellung aus (Jumper K2 nicht gesteckt). Eine gesteckte Steckbrücke führt zu einer Anzeigeauflösung von 1 kHz. Die volle Auslenkung stellen Sie mit dem Drehschalter P1 ein.
Vor dem Anschluss des Vorteilers an die Mischstrecke kann die Frequenzanzeige mit dem Trimmer C8 abgeglichen werden, zum Beispiel bei 100 MHz.
Ist der Eingang des Vorteilers offen, oszilliert der U813BS von selbst mit etwa 500 MHz. Dann erscheinen auf der neunten und zehnten Harmonischen Phantom-Sender bei 92,16 MHz und 102,40 MHz. Das ist ein bekanntes Phänomen, das bei der Messung berücksichtigt werden muss.
Mischstrecke abgleichen
Nach der Installation wird die Mischstrecke nachgestellt. Zuerst stellen Sie am Elektronikeinsatz den Frequenzbereich ein, unten mit der Wicklung, oben mit dem Trimmer. Danach stellen Sie die Auswahlschaltungen, in dieser Mischstrecke ein Vor- und zwei Zwischenkreise, auf das maximale Feldstärkensignal ein. Schließlich gleichen Sie das ZF-Filter am Eingang der Mischstrecke auf maximale Feldstärke ab.
Worauf es bei der Restaurierung ankommt
Görler-Tuner sind klassische Bausteine der deutschen HiFi-Geschichte. Wer einen solchen Tuner restauriert, bringt mit den beschriebenen Mess- und Abgleichverfahren Frequenzanzeige und Empfang wieder in Ordnung. Die Technik ist robust, verlangt aber Sorgfalt beim Abgleich, insbesondere bei der Kopplung an den Oszillator. Wer die Zwischenfrequenz und die Teilungsverhältnisse des Vorteilers kennt, kann die Anzeige zuverlässig kalibrieren.