Wer an der Konsole oder am PC spielt, merkt schnell, wenn der Fernseher träge reagiert. Die Eingangsverzögerung, im Fachjargon Input-Lag, entscheidet darüber, ob eine Eingabe sofort auf dem Bildschirm ankommt oder erst mit spürbarer Verzögerung. Dieser Beitrag erklärt, was Input-Lag ist, wie Sie Messwerte richtig einordnen und welche Einstellungen die Verzögerung verringern.
Was Input-Lag bedeutet und was nicht
Input-Lag bezeichnet die Zeit zwischen einem Eingangssignal und der sichtbaren Reaktion des Fernsehers. Drücken Sie auf dem Controller eine Taste, vergehen einige Millisekunden, bis das Bild reagiert. Die Angabe erfolgt in Millisekunden; ein niedrigerer Wert bedeutet eine schnellere Reaktion des Displays.
Drei Begriffe werden häufig verwechselt:
- Input-Lag: die Zeit, bis das TV-Bild auf ein Eingangssignal reagiert.
- Pixel-Reaktionszeit: die Zeit, die ein Pixel braucht, um seine Farbe zu ändern. Sie beeinflusst Bewegungsunschärfe und Schlieren, ist aber nicht dasselbe wie Input-Lag.
- Bildwiederholrate: die Anzahl der Bilder, die der Bildschirm pro Sekunde anzeigen kann. Hohe Bildraten verbessern das Bewegungsbild, ersetzen aber keine Input-Lag-Messung.
Wichtig: Der Fernseher ist nur ein Teil der Signalkette. Konsole oder PC, Controller und weitere angeschlossene Geräte tragen ebenfalls zur Gesamtverzögerung bei. Ein guter TV-Messwert bedeutet nicht, dass das gesamte Spielsystem ohne Verzögerung reagiert.
Messwerte richtig lesen: Warum die Testbedingungen zählen
Ein Input-Lag-Wert ist keine feste Produkteigenschaft. Er gilt nur für die Bedingungen, unter denen er gemessen wurde. Dazu gehören Auflösung, Bildwiederholrate, der aktive Bildmodus und die Messmethode. Die Testseite RTINGS misst getrennt nach Auflösung und Bildrate, normalerweise im niedrigsten Latenzmodus des Fernsehers, meist im Spielemodus.
Auch die Messmethode selbst beeinflusst das Ergebnis. RTINGS platziert den Sensor in der Bildschirmmitte. Da ein Bild zeilenweise aufgebaut wird, entsteht dadurch ein systembedingter Anteil. Die minimale messbare Verzögerung liegt bei dieser Methode bei 8,33 Millisekunden bei 60 Hertz und 4,17 Millisekunden bei 120 Hertz. Das sind methodische Messgrenzen, keine Zielwerte für Fernseher.
Wenn Sie Messwerte vergleichen, achten Sie auf:
- Auflösung, etwa 1080p oder 4K
- Bildrate, etwa 60 oder 120 Hertz
- den aktivierten Bildmodus
- gegebenenfalls VRR- oder PC-Modus
- Messmethode und Testdatum
Ein Messwert ohne diese Angaben sagt wenig aus.
Orientierungswerte gibt es, aber sie sind keine allgemeingültige Norm. RTINGS nennt für seine Messungen Werte unter 15 Millisekunden bei 1080p und 60 Hertz als gut, unter 10 Millisekunden bei 1080p und 120 Hertz. Außerhalb des Spielemodus gelten andere Maßstäbe. Die Testseite TechRadar bezeichnet 13 Millisekunden oder weniger als generell akzeptabel für kompetitives Spielen. Die Abweichung zeigt: Testmethoden und Bewertungsmaßstäbe unterscheiden sich. Eine einzelne Zahl als universelle Grenze gibt es nicht.
Worauf Sie beim Fernseherkauf achten sollten
Der wichtigste Ansatzpunkt für niedrigen Input-Lag ist der Spielemodus. Fernseher verarbeiten Bilder je nach Modus unterschiedlich; ein Modus mit geringer Latenz reduziert die Bildverarbeitung. Die meisten Hersteller bieten eine solche Funktion an, die Bezeichnungen unterscheiden sich: Game Mode, Spielmodus, Game Optimizer oder ähnlich.
ALLM, der Auto Low Latency Mode, automatisiert den Wechsel. Ein kompatibles Spielgerät signalisiert dem Fernseher, in einen Modus mit niedriger Latenz zu wechseln. Dafür können Bildverarbeitungsfunktionen abgeschaltet werden; außerhalb des Spielbetriebs kehrt der Bildschirm in die vorherigen Einstellungen zurück. ALLM ist eine Umschaltfunktion, kein Messwert. Beide Geräte, Fernseher und Spielkonsole oder PC, müssen die Funktion unterstützen und korrekt eingerichtet sein.
VRR, die Variable Refresh Rate, ist ein ergänzendes Gaming-Merkmal, aber kein Ersatz für niedrigen Input-Lag. VRR passt die Aktualisierung des Bildschirms an die wechselnde Bildausgabe des Spielgeräts an und kann Ruckeln und Tearing verringern. Das ist ein anderer Nutzen als die unmittelbare Verringerung der Verarbeitungsverzögerung im Fernseher. In manchen Fällen kann VRR den Input-Lag sogar erhöhen.
Auch QFT, der Quick Frame Transport, zielt nur auf einen Teil der Latenz: Er verringert die Übertragungszeit des aktiven Bildes. Die gesamte Verzögerung zwischen Tastendruck und sichtbarer Reaktion fällt dadurch nicht weg.
Eine HDMI-Version allein ist kein Kaufbeleg für ein einzelnes Feature. HDMI führt Gaming-Funktionen wie ALLM, VRR und QFT auf, aber die Unterstützung hängt vom konkreten Fernseher und den angeschlossenen Geräten ab. Prüfen Sie die Ausstattung des jeweiligen Modells.
So verringern Sie die Eingangsverzögerung
Die konkreten Menüs unterscheiden sich nach Hersteller, Modell und Software. Diese Prüfreihenfolge hilft:
- Spielemodus einschalten. Suchen Sie im Bildmenü nach Game Mode, Spielmodus oder Game Optimizer. Bei Samsung liegt die Funktion je nach Modell unter System oder Allgemein.
- ALLM prüfen. Wenn Fernseher und Spielgerät die Funktion unterstützen, stellen Sie sie auf beiden Seiten auf Auto. ALLM schaltet in einen Latenzmodus, verspricht aber keinen bestimmten Messwert.
- Das verwendete Signal prüfen. Auflösung und Bildrate müssen zur eigenen Nutzung passen. Ein Messwert für 120 Hertz hilft nicht, wenn die Konsole nur 60 Hertz ausgibt.
- Bei PC-Nutzung den PC-Modus aktivieren. Bei manchen Fernsehern ist er zusätzlich zum Spielemodus nötig.
- Bildverarbeitung deaktivieren. Funktionen wie Bewegungsinterpolation können zusätzlichen Input-Lag verursachen. Schalten Sie sie im Spielemodus ab.
Wenn die Verzögerung spürbar bleibt: Fehler eingrenzen
Bleibt die Verzögerung trotz Spielemodus spürbar, prüfen Sie die übrige Signalkette. Verbinden Sie die Konsole direkt mit dem Fernseher, statt sie über weitere AV-Geräte laufen zu lassen. So lässt sich feststellen, ob ein zwischengeschaltetes Gerät die Ursache ist.
Bei Cloud-Gaming sollten Sie die Bildschirmverzögerung nicht mit Netzwerk- oder Serververzögerung vermischen. Beim Streaming von Spielen hängt die Reaktionszeit auch von der Internetverbindung und möglichen Serverstörungen ab. Diese Faktoren lassen sich nicht durch TV-Einstellungen beheben.
Fazit
Kein einzelnes Logo oder Feature garantiert den niedrigsten Input-Lag. Entscheidend sind Messungen des konkreten Geräts unter den Bedingungen, die zu Ihrer Nutzung passen. Der Spielemodus ist der erste und wichtigste Schritt; ALLM und VRR sind nützliche Ergänzungen, aber keine Garantien. Vergleichen Sie Messwerte nur mit Angaben zu Auflösung, Bildrate, Bildmodus und Messmethode, und rechnen Sie ein, dass der Fernseher nur ein Teil der gesamten Signalkette ist.